Unsere Route

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Karte im südlichen Patagonien bis nach Ushuaia außer Funktion mangels Satellitendeckung.

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Brasilien

Der schönste Tag für uns war wohl der sonnige, letzte Tag. Gleich morgens haben wir uns in den öffentlichen Bus gedrängt und durften erleben, wie er sich einen Weg durch die verstopfte, hupende Stadt bahnt. Dann ging es mit dem Busshuttle hoch zur Christusfigur. Unterwegs hielten wir noch bei dem sehenswerten Aussichtspunkt Dona Marta. Bevor es jedoch ganz nach oben ging, mussten wir großstadttypisch erst einmal auf das Ticket sowie auf den Transfer warten.

Oben angekommen wurden wir von den Menschenmassen nahezu erschlagen. So entfaltete sich die traumhafte Aussicht erst im zweiten Augenblick. Es war sehr beeindruckend, diese riesige Stadt aus über 700 Hm zu überblicken. Die Hitze jedoch und der ewig nervende, Haut erwärmende Mückenschutz (wegen des Dengue-Fiebers) sorgten auch ohne Fahrrad für ausreichend Schweiß.

Der Tucano

Auf Grund des begrenzten Touristenvisums von 90 Tagen (ohne Verlängerungsmöglichkeiten) mussten wir dann unseren Trip durch das riesige Land verkürzen und nahmen den Bus von Rio bis nach Foz do Iguaçu. Diese knapp 1.500 km zählen wohl zu den schnellsten, die wir in Brasilien zurückgelegt haben – nur rund 24 Stunden.

Die Iguaçu-Wasserfälle von brasilianischer Seite

Wir besichtigten die Fälle von der brasilianischen sowie von der argentinischen Seite und dank der starken Regenfälle vor einigen Tagen war der Wasserstand sehr hoch. So war leider auch die Isla San Martín gesperrt, da ein Teil der Wege unter Wasser stand.

Während wir von Brasilien aus eine bezaubernde Panoramasicht auf die Fälle hatten, kamen wir in Argentinien bis auf wenige Meter direkt an die herabstürzenden Wassermengen heran. Daher nahmen wir auch die eine oder andere "freiwillige" Wasserfalldusche. Welch' ein traumhaftes Plätzchen auf dieser Welt ...


15.11.2015: 4.684 km – 5.253 km, von Setiba nach Rio de Janeiro
Unsere letzte Etappe in Brasilien

Unsere Gefühle sind gemischt. Lange haben wir auf sie gewartet, die letzte Etappe in Brasilien. (Von Rio geht es mit dem Bus weiter nach Foz do Iguaçu) Doch je näher wir Rio kommen, wird uns bewusst, dass hiermit unser erster großer Reiseabschnitt zu Ende geht. Immer mehr vermissen wir das Land schon jetzt – was wir alles erlebt haben – wir hatten wirklich eine schöne Zeit!

Die letzte Etappe jedoch prüfte noch einmal unser Durchsetzungsvermögen; insbesondere der verlorene Kampf mit dem immer schlimmer werdenden Verkehr. Führte uns der Weg die ersten beiden Tage noch entlang kleiner Landstraßen mit schönen Ausblicken auf das Meer, Natur und diese tollen und gut riechenden Ananasplantagen, so hatten wir die restliche Zeit das Gefühl, von einer Großstadt in die nächste zu rollen – keine Pausen zum Luftholen oder Regenerieren von den Überholmanövern, den Abgasen und dem Lärm ...

Prioritäten der Verkehrsteilnehmer

Der Worst Case jedoch, der einen Radfahrer regelrecht in lebensbedrohliche Situationen bringt, wird von sturren Truckern immer wieder fabriziert, unabhängig von der LKW-Größe. Diese Fahrer sollte man unbedingt erkennen, wahrnehmen und schnell handeln. Denn der Fahrer hupt und erwartet, dass der Fahrradfahrer unverzüglich die Fahrbahn räumt. Egal, ob es einen Seitenstreifen gibt oder was auch immer sich gerade an der Seite befindet. Der Fahrradfahrer hat zu verschwinden, der LKW-Fahrer wird KEINESFALLS bremsen – wofür es in der Regel sowieso schon viel zu spät ist. Diese Spezies hat bei uns schon für viel Wut, Angst und Schreckensmomente gesorgt.

Je näher wir Rio kamen, desto mehr machten wir uns auch Sorgen bezüglich der Überfälle. Wie oft wurden wir vor der Metropole gewarnt ... Wir versteckten viele unserer Wertsachen, müffelten absichtlich ein bisschen und wählten die Strecke sehr sorgfältig aus. Auch beschlossen wir, keine Pausen mehr zu machen und möglichst unauffällig zu sein. Letzteres gelang uns (mit den voll bepackten Rädern) natürlich nicht und wie immer bemerkten wir auf uns gerichtete Zeigefinger und viel Gerede.

All die gemachten Sorgen waren aber (zumindest gefühlt) vollkommen übertrieben; uns kamen Rio und die Vorstädte einfach wie eine typische Großstadt vor, bei der man einfach aufpassen sollte. Auch die weit entfernt zu sehenden Favelas (Slums) schockierten uns äußerlich kaum, da sah es in der einen oder anderen "Zuckerrohrstadt" viel schlimmer aus.

So kamen wir ohne Überfall und wohlbehalten an unserem Hotel mitten in der City an. Die kommenden fünf Tage werden wir die Stadt erkunden und dann mit dem Bus nach Foz aufbrechen.


07.11.2015: 3.826 km – 4.684 km, von Porto Seguro nach Setiba
Unsere Highlights des Bundesstaates Espirito Santo

Die vorletzte Etappe in Brasilien führte uns innerhalb von 8 Tagen und 858 km von Porto Seguro nach Setiba. Unser Ziel, die vielbefahrene BR-101 möglichst weiträumig zu umfahren, sorgte für gute Abwechslung auf den kleinen Landstraßen und führte uns sogar in das "deutsche" Dorf Santa Maria de Jetiba (Pommern).

Entlang traumhafter Mangoalleen passierten wir zahlreiche Kaffee- und Eukalyptusbaumplantagen, nicht endende Rinderfarmen und sagenhafte grüne Stauseen. Schon während des Anstieges zur 700 Hm hoch gelegenen Santa Teresa, der Stadt des Kolibris, entschädigte uns der Ausblick auf das Vale do Canaã die ganze Anstrengung. Als uns dann auch noch ein echter Kolibri über den Weg flog, waren jegliche Mühen vergessen ...

Das Pommerhaus in Santa Maria

Zurück an der Küste mussten wir uns den Weg durch die Großstadt Vitória/Vila Velha bahnen. Wir radelten auf dem Küstenhighway entlang eines Nationalparks und kamen schließlich im süßen Setiba an. Die bezaubernde Bucht und die im NP liegende Lagune verzauberten uns die beiden Ruhetage.


27.10.2015: 3.103 km – 3.826 km, von Andaraí nach Porto Seguro
Unser Weg zurück zur Küste durch die "Serra do Marçal": 50°C und Feuer – Fahrradfahren wie in der Sauna

Sehnsüchtig nach dem Meer setzten wir uns das Ziel, innerhalb von 8 Tagen vom Nationalpark Chapada Diamantina zurück zur Küste nach Porto Seguro zu fahren. Die eigentlich von uns als einfach eingestufte Etappe entpuppte sich jedoch als absolute Herausfordung und erforderte all unsere Kräfte.

Es begann bereits am ersten Tag. Wir dachten anfänglich, dass die Tour prinzipiell bergab geht, doch wir wurden gleich eines Besseren belehrt. Von Andaraí (ca. 400 Hm) mussten wir zunächst einen 1.000 Hm hohen Pass überqueren. Im Verlauf der Etappe folgte sogar noch eine Steigung auf über 1.200 Hm. Dies bedeutete ordentlich Muskeltraining für unsere Beine.

50 Grad bei Anagé

Es wunderte uns kaum, dass wir immer wieder Waldbrände sahen. Zunächst loderten ganze Berge noch in ferner Distanz und verursachten riesige Qualmwolken. Ab und zu sorgte ein kleines "unspektakuläres" Feuerchen am Straßenrand für zusätzliche Qualen beim Radfahren, denn der Qualm setzt der nach Sauerstoff schnappenden Lunge ordentlich zu.

Durch einen Waldbrand an der BR-101 vor Itapebi

Zuversichtlich, nur noch einen Fahrtag mit 95 km bis zu unserem Ruhetag in Porto Seguro zu haben, kehrten wir in unserer Pousada in Itapebi ein. Der Besitzer war hellauf begeistert und wir erzählten von unserer für morgen geplanten Route. Schnell verzog sich jedoch sein Gesicht. Sofort erklärte er uns, dass diese Gegend sehr gefährlich sei und wir dort nicht langfahren sollten. Er empfahl uns dringlichst einen 30 km längeren Weg. Er klang wirklich sichtlich besorgt und mit nahezu elterlicher Fürsorge stellte er während der Diskussion um "30 extra Kilometer" klar, dass der kurze Weg keine Option ist. Wir befolgten seinen Ratschlag, nahmen die 126 km in Angriff und sind ohne Überfall heil im Zielort angekommen. Eine lange Etappe ging zu Ende.


17.10.2015: 3.070 km – 3.103 km, von Lençóis nach Andaraí
Nationalpark "Chapada Diamantina"

Noch vor 30 Jahren wurden hier in der Chapada Diamanten abgebaut, bevor der Gebirgszug westlich von Salvador zum Nationalpark erklärt wurde. Die letzten 7 Tage waren wir im "Diamantenrausch" und konnten eine atemberaubende Natur/Tierwelt entdecken.


Wir starteten mit einer 4-tägigen Trecking-Tour entlang des "Vale do Pati" und entspannten anschließend mit zwei Tagesausflügen von Lençóis aus. Danach stand ein Ortswechsel nach Andaraí an.

Mit dem Fahrrad hieß es, mitten durch den Nationalpark eine "Estrada para Off-Road" 33 km über Stock und Stein zu bewältigen. Neben den neun zu durchquerenden Flüssen sorgten steile Anstiege oder felsengrobe Wege für unzählige Schiebephasen und einen Gesamttagesdurchschnitt von ganzen 5 km/h. Wir waren wirklich sehr glücklich, dass es die letzten Tage wenig geregnet hatte, so dass der Lehmboden nicht auch noch zur Schlammschlacht wurde und die Flüsse jetzt nur maximal knietief waren. Auf den letzten 3 km überholten wir (schiebend) sogar noch ein Auto. Es hatte sich in einem ausgetrockneten, aber sehr sandigen Flussbett komplett festgefahren und wartete auf Hilfe ...

Cachoeira do Diablo (Teufelswasserfall)

Ganz begeistert waren wir auch vom Anblick der blau schimmernden Grotten. In der "Poço Azul" genossen wir den blauen Glanz sogar schnorchelnd und konnten dieses Spektakel auch von unten genau unter die Lupe nehmen. Immerhin gab es Stellen, die bis zu 20 m tief waren und Felsen, die im kristallklaren Wasser wunderschön schimmerten.

Ausblick vom Castello im Vale do Pati

Die vielfältige Tierwelt rundete unsere tollen Tage hier ab und wir werden wohl nie die niedlichen Kolibri oder die riesigen, fliegenden Heuschrecken vergessen. Immerhin sorgten diese für die eine oder andere Schrecksekunde ...


08.10.2015: 2.371 km – 3.070 km, von Aracaju nach Lençóis
Der Weg ins Inland

Die rund 700 km dieser Etappe führten uns von der Küste bei Aracaju bis ins Inland nach Lençóis; unser diesmaliges Ziel: der Nationalpark "Chapada Diamantina". Daher galt es nicht nur, die sanften Hügel der Küstenlandschaft, sondern auch erste "Pässe" auf über 700 Hm zu überwinden. In diesen 7 Tagen kamen wir so auf insgesamt immerhin 6.660 Hm.

Die Umgebung hatte sich schlagartig verändert; statt der erwarteten Zuckerrohrfelder und Bananenbäume sahen wir nun weit und breit große Kakteen, in denen Kühe weideten, und trockene Felder. Erst in den Bergen bei Itaberaba wurde das Gras saftiger und die Umgebung farbenfroh. Der nahende Nationalpark und der damit einhergehende Naturschutz bot aber noch ganz andere, besondere Begegnungen.

Schlange kreuzt unseren Weg

Zum ersten Mal wurde uns auch bewusst, dass sich das Klima so langsam ändert. Gleich mehrere Tage war es stark bewölkt und am 07. Oktober spitzte sich die Lage weiter zu. Gleich zum Auftakt erblickten wir beängstigende düstere Wolken. Nach 20 km sahen wir bereits heftige Regengüsse links und hinter uns. Wir "packten eine Schipppe drauf" und radelten etwas schneller, in der Hoffnung, dem Regen davon zu kommen. KM 40, wir noch trocken, aber die Fahrbahn bereits vollkommen nass. Wir schienen Glück zu haben und bis auf den Dunst blieben wir zunächt verschont. Bereits zuversichtlich, die Etappe trocken zu beenden, überraschte uns der Regen dann plötzlich nach 103 km während einer erholsamen Pause, so dass wir es kaum noch schafften unsere Sonnenbrillen abzusetzen.


01.10.2015: 1.511 km – 2.371 km, von Natal nach Aracaju
10 Tage an der Küste, durch Zuckerrohrplantagen und Bananenbäume ...

Innerhalb von 10 Tagen sind wir dieses Mal 860 km geradelt. Nicht nur die Landschaft änderte sich so langsam, sondern auch lang ersehnt die Windrichtung. So konnten wir ab dem 5. Tag, insofern die Straßen es erlaubten, endlich über 20 km/h fahren und uns auch mal rollen lassen.

Nachdem wir die Küsten und Strände mit ihren Palmen zur Genüge gesehen hatten und zuletzt auch bitter bei einer Sandpartie am Meer spüren mussten, hinterließen vor allem die riesigen Zuckerabbaugebiete bleibenden Eindruck. Brasilien produziert jährlich über 500 Mio. Tonnen Zuckerrohr; die größte Zuckerindustrie weltweit.

Keine 50 km trennen arm und reich, Auto oder Esel/Pferd, Hochhaus mit Marmorverzierung oder Wellblechbauten ... Besonders in den Ansiedlungen wollten wir oft einfach nur weiter, obwohl auch hier die allermeisten sehr freundlich waren.

Regenwaldähnliche Straßen durch ein Naturerholungsgebiet

Da im Zielort des ersten Tages mit Ausnahme einer Garnelenfarm und eines Supermarktes nichts zu finden war, beschlossen wir, gleich am folgenden Tag im Zielort Sapé (50.000 Einwohner) eine Pumpe zu kaufen. Laut Google gab es sogar einen offiziellen Fahrradladen. Zunächst waren wir auch sehr zuversichtlich und fanden den "Laden" relativ schnell. Als wir nach einer "Bomba de ar" fragten, verstand man uns sogar und kramte aus irgendeiner Ecke etwas hervor, was man als Luftpumpe bezeichnen könnte. Winziges Problemchen: Stefan hatte vergessen, dass in Südamerika Autoventile DER Standard sind. Mit der Pumpe konnten wir also nichts anfangen und der Verkäufer konnte uns nichts anderes anbieten. Auch die Durchforstung aller "Baumärkte" o. Ä. blieb erfolglos.

Hightech- versus Billig-Luftpumpe

Besonders Tina wird die Etappe aber auch aus einem weiteren Grund in Erinnerung bleiben. Gleich zu Anfang muss sie irgendwie vergessen haben, ihr Gesicht mit einer ordentlichen Portion Sonnencreme zu versorgen. Es folgte ein wirklich bitter-böser Sonnenbrand auf dem ganzen Gesicht, über die Ohren bis hin zu den Augenlidern. So konnte sie teils wegen unaufhörlich tränender Augen nur mit sehr eingeschränkter Sicht fahren.

Zum Glück entwickelt sich so langsam alles wieder zum Guten und wir können uns auf die Tour in Richtung unseres nächsten Highlights, dem Nationalpark Chapada Diamantina, freuen!


18.09.2015: 800 km – 1.511 km, von Flecheiras nach Natal
Die vielfältigsten Landschaften und Sonntag, der 13.

Die rund 700 km entlang der nordöstlichen Küste Brasiliens führten uns zunächst durch sandige Dünen, dann Hügellandschaften, Ölabbaugebieten bis hin zu grünen und Range-artigen Gegenden. Neben den endlos langen, oft sehr Schlagloch übersähten Straßen und wellblechartigen Sandpisten galt als besondere Herausforderung die Durchquerung der beiden Großstädte Fortaleza (ca. 2 Mio. Einwohner) und Natal (ca. 800.000 Einwohner).

Es war für uns schon äußerst aufregend auf den 6- bis 8-spurigen Straßen zu fahren. Doch hier störte es keinen, es wurde uns oft sogar Platz gemacht und freundlich gegrüßt; so gab es nicht selten Smalltalks an den Ampeln.

Sonntag, der 13.09.2015, ein ganz besonderer Tag ...

Nach einer quälenden Nacht ohne Klimaanlage, Partymusik bis 02:00 Uhr morgens aus dem Nachbarzimmer und dem leckersten Duft von gegrilltem Fleisch (wir hatten nur trockene Brötchen mit je einer Scheibe Wurst und Käse) standen wir relativ spät um 06:00 Uhr auf. Hintergrund war das von der Unterkunft für 07:00 Uhr angekündigte Frühstück. Doch als wir uns typisch deutsch kurz vor 07:00 Uhr an den Tisch setzten, war von einem Frühstück weit und breit nichts zu sehen. Als der Hostel-Besitzer erst zehn nach sieben in die Stadt fuhr, um die Brötchen zu kaufen, war uns klar, dass es noch eine Weile dauern würde. In der Zwischenzeit konnten wir nur warten und dem ersten Regen unserer Brasilien-Zeit lauschen.

Sandige vielbefahrene Schotterpiste

Nach 60 km, zunehmender Erschöpfung und einem Augenblick von Unachtsamkeit geschah das Unglück, der erste Sturz. Stefan vorn im Kampf gegen den Wind, hin und her schwenkend von Seitenstreifen und Straße wegen des Verkehres und des lausigen Streifens, riss den Lenker einmal zu weit nach rechts. Das Resultat: Tina konnte nicht schnell genug reagieren, die Fahrräder berührten sich und sie stürzte. Glück im Unglück, bis auf wenigen Abschürfungen und eines verbogenen Bremshebels ist nichts weiter passiert – nur überschritt diese Zwangspause unsere 5 Minuten ...

Ein Esel vor den Sanddünen

Doch unsere Pechsträhne fand kein Ende. Den Zielort schon zum Greifen nah, vernahmen wir von Stefans Hinterrad ein kurzes, unschönes Geräusch. Trotz der 36 extra stabilen Speichen, hatte es eine erwischt. Zwar ging die Fahrt so weiter, jedoch bedeutete dies eine ordentliche Portion abendlicher Spezialarbeit. Vollkommen erschöpft waren wir glücklich, als dieser Tag schließlich ein Ende nahm ...


09.09.2015: 250 km – 800 km, von Barreirinhas nach Flecheiras
Sand, Gegenwind und der Zungenbrecher "Jijoca de Jericoacoara"

Unsere Weiterfahrt aus Barreirinhas mit seinen traumhaften, aber mit dem Fahrrad unbefahrbaren Sanddünen begann mit einem entsprechenden allradangetriebenen Vehikel. Wir mussten nur dafür sorgen, dass auf der dreistündigen, rund 35 km langen, ruckeligen, aber landschaftlich beeindruckenden Fahrt keine Gepäckstücke verloren gingen.

Doch auch im Folgenden ließ die Spannung nicht ab; man warnte uns vor den nächsten 200 Kilometern, auf denen oft sowohl Räuber unterwegs sind als auch regelmäßig bewaffnete Überfälle stattfinden. Als uns tatsächlich mehrfach Brasilianer mit Gewehren begegneten, sorgte dies nicht gerade für heitere Stimmung. Die durchfahrenen Dörfer wirkten dabei auch noch still und unheimlich. Und dann gab es da noch (und eigentlich überall hier) diese kleffenden, bissigen Hunde, die uns immer wieder stürmend verfolgten. Da hilft immer nur eines: so schnell wie möglich das Territorum dieser Biester verlassen!

Die weiteren Straßen/Gegenden waren wieder lebhafter. Dafür gab starker Gegenwind Tag für Tag sein Bestes und erforderte all unsere Kräfte. Unsere Erkältung machte uns das Leben da nicht gerade leichter ...

Und dann gab es da diesen einen Tag. Geplant waren 110 km bis zur Unterkunft in Camocim. Dort angekommen mussten wir jedoch qualvoll festellen, dass auf Grund eines Festes alles ausgebucht war! Da es schon beinahe dämmerte, gab es für uns nur noch eine Lösung: schleunigst raus aus der Stadt und einen abgelegenen Zeltplatz finden. Mit allerletzten Kraftreserven rasten wir wieder davon, bis wir endlich nach ewigen weiteren 26 km eine rettende, versteckte kleine Fläche fanden. In der Dunkelheit schlugen wir dann unser Quartier auf.

Hügelige Straße

01.09.2015: 0 km – 250 km, São Luís nach Barreirinhas
Die ersten 250 km, knapp 40° und das Wildschwein Erna

Unser Flug verlief weitestgehend planmäßig; die Zwischenlandung in Fortaleza stellte uns jedoch vor die kleine Herausforderung, dass wir unser Gepäck vorzeitig abholen und für den Inlandsflug nach São Luís wieder abgeben mussten. Natürlich gehörte eine gesonderte Zollinspektion unserer großen Fahrradkartons dazu. In São Luís hatten wir dann die Ehre, die erste Nacht auf dem Flughafen verbringen zu dürfen; was gibt es Besseres als einen Fahrradkarton als Bettgestell umzingelt von wartenden Reisenden?

Nach dieser unruhigen Nacht bauten wir unsere Fahrräder auf und verpackten alles in unsere Taschen. Nichts wie los zu Erna! Nach einer 20 km langen Stadtausfahrt, ohrenbetäubendem Lärm und lebensgefährlichen Überholmanövern verchlug es uns auf eine Schotter-Sand-Buckel-Piste. Das Thermometer zeigte knapp 40° und wir radelten munter durch die Einsamkeit.

Anfangs sahen wir Wildschweine nur in ferner Distanz und sind noch über die artenreiche Tierwelt begeistert. Doch plötzlich stand Erna mit ihren Ferkeln vor uns und versperrte uns den Weg! Keiner wollte weichen: sie grunzte, wir klingelten. Nach einigen Minuten verzogen sie sich ins Gestrüpp und wir wagten uns voran. Ein letztes Grunzen und Rascheln ließ uns ordentlich in die Pedale treten.

Welch ein Pech, als uns 5 km später ein Zaun die Weiterfahrt versperrte. Welche Tiere würden uns wohl hinter dem Zaun erwarten? Oder sollten wir 15 km zurück und wieder an Erna vorbei? Die Hitze tat ihr Übriges und wir beschlossen, die "Safari-Tour" fortzusetzen. So trafen wir glücklicherweise desinteressierte Ochsen, die der Wärme im Wasser trotzten.

Lençóis Maranhenses

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